ISM: Wo die großen Geister von morgen lernen

Vor 23 Jahren wurde in Monaco eine internationale Privatschule gegründet: die International School of Monaco (ISM). Dort lernen Schüler vom Kindergartenalter bis zum Abitur in multikulturellem Umfeld. Der international anerkannte Schulabschluss International Baccalaureate Diploma (IB Diploma) gewährt weltweit Zutritt zu Top-Universitäten. Vor-Ort-Besuch in einer außergewöhnlichen Bildungseinrichtung.

Schon der Standort ist ungewöhnlich: Verteilt über mehrere Etagen in einem großen Bürokomplex an Monacos Haupthafen, unlängst erweitert um das benachbarte Gebäude des ehemaligen Yachtclubs, befindet sich die International School of Monaco (ISM). Nur das hohe Aufkommen blau-weiß gekleideter jüngerer Kinder und untereinander meist Englisch sprechender Jugendlicher in dieser Hafenecke lassen erahnen, dass hinter den roten Backsteinmauern nicht nur am Bruttosozialprodukt des Fürstentums, sondern auch an der Bildung großer Geister von morgen gearbeitet wird.

Noch frappierender ist das Innere der Schule. Es ist Dienstagmorgen, ein beliebiger Tag mitten im Schuljahr. Rechts und links der Gänge befinden sich Klassenräume, viele mit Panoramablick über den Hafen und Monacos charakteristische Skyline. Vom Gang sind die Räume durch Glaswände mit Jalousien getrennt; die meisten Jalousien und offen stehende Türen geben den Blick frei auf das, was sich im Innern abspielt: Lehrer, die mit maximal 16 Schülern in Interaktion stehen.

Da ist ein Kunstkurs der 11. Klasse mit nur drei Mädchen an Staffeleien, im Raum gegenüber hocken Theater-Schüler auf dem Boden und diskutieren ein Stück, eine Klasse weiter sitzen vielleicht 14-Jährige hinter Keyboards und lauschen der Musiklehrerin.

«Wir sind keine ‚Exam factory‘.» Diese Feststellung liegt Angela Godfrey, verantwortlich für die Zulassung an der Schule, am Herzen. Auch wenn die Erfolgsquote beim internationalen Abitur seit 2003 nur einmal nicht bei 100 Prozent lag, geht es an der ISM nicht um unreflektiertes Einpauken von Wissen. Schulische Leistung wird hoch geschätzt, aber besondere Aufmerksamkeit gilt auch den außerschulischen Aktivitäten, die von Meditation, Sport aller Art (Segeln, Fußball, Tennis, Basketball, Tanzen, …) über Zeichnen, einen Philosophie-Club bis hin zu gemeinnütziger Arbeit (community service) reichen.

«Bei uns wachsen Weltbürger heran», sagt Angela Godfrey. «Sie sollen eine internationale Perspektive bekommen, das zieht sich durch alle Klassen.» Allein die Herkunftsstatistik der aktuellen ISM-Schüler spricht Bände: Knapp 30 Prozent haben einen englischsprachigen Hintergrund, 20 Prozent einen italienischen, zwölf Prozent einen russischen, sechs einen skandinavischen und fünf einen deutschsprachigen. Die übrigen 30 Prozent setzen sich aus Kindern von Eltern aus aller Welt
zusammen.

34 Schüler zählte die ISM in ihrem Gründungsjahr 1994, heute sind es über 630. Im Schnitt etwa 30 Schüler legen seit Beginn des Jahrtausends jährlich ihr internationales Abitur, das IB Diploma, ab. Die große Mehrheit der Schüler lebt in Monaco, einige aber auch in den umliegenden Gemeinden oder sogar in Ligurien. Von einem der Fotos mit Absolventen, die bei Angela Godfrey im Büro hängen, blickt zum Beispiel der deutsche Rennfahrer Maro Engel, der seit Anfang dieser Saison für Monacos Formel-E-Team fährt.

In Kindergarten und Grundschule werden die Kinder zu gleichen Teilen in Englisch und Französisch unterrichtet. Von der 7. Klasse (Collège/Middle School) bis zum Abitur ist die Unterrichtssprache dann rein Englisch. Französisch wird als Fach weitergeführt, und eine dritte Sprache kommt hinzu: Spanisch, Italienisch, Russisch oder Deutsch. Wer Deutsch als Muttersprache hat, bekommt Deutschunterricht von einem Muttersprachler; Entsprechendes gilt für italienisch- oder russischstämmige
Kinder. Die meisten anglophonen Schüler wählen Spanisch. «Am Ende ihrer Schulzeit sprechen die Kinder perfekt Englisch und Französisch sowie eine dritte Sprache auf einem sehr hohen Niveau», so Schulleiter Francis Gianni.

Exemplarisch für die meisten Fächer und das Gros der Lehrer ist eine Begegnung mit Kunstlehrer Alexander Lloyd: «Dies ist eine wunderbare Schule!», schwärmt der passionierte Maler. Bei seinen Schülern gehe es ihm nicht um Talent, sondern darum, sie zu inspirieren. «Jeder Schüler hat seine ganz eigenen Qualitäten», so Lloyd. «Ich bringe ihnen die Techniken bei und lasse sie selbst die Schönheit entdecken, die man einem Zeichenstift entlocken kann.»